Ginetta Academy Round 3
Croft – ein Rennwochenende mit allem, was Motorsport ausmacht
Das Rennwochenende in Croft hatte es in sich. Vier Rennen, zwei Qualifyings, ein Crash, ein technischer Defekt, drei Podiumsplätze, zwei Siege – und am Ende ein neuer Streckenrekord.
Croft war an diesem Wochenende ausschließlich den Ginetta-Serien vorbehalten. Dadurch konnten gleich vier Rennen ausgetragen werden: Samstag und Sonntag wurden jeweils als eigenständige Renntage mit Qualifying und zwei Rennen gewertet. Entsprechend viele Meisterschaftspunkte waren zu holen – gleichzeitig aber auch viel zu verlieren.
Schnellster an beiden Testtagen
Bereits am Donnerstag und Freitag zeigte sich, dass Luis auch mit der technisch anspruchsvollen Strecke in Croft sehr gut zurechtkommt. An beiden Testtagen war er Schnellster, während das Team unterschiedliche Einstellungen ausprobierte und intensiv am Setup arbeitete.
Am Samstag folgte dann das erste Qualifying – und Luis setzte bereits in seiner zweiten schnellen Runde ein deutliches Zeichen: 1:28,9 Minuten und rund eine Sekunde Vorsprung auf die Konkurrenz.
Coach Stu brauchte nur ein Wort:
„Pole.“
Damit sollte er recht behalten.
Luis wollte anschließend noch einmal nachlegen, verlor das Auto jedoch in Turn 1 und schlug in den Reifenstapel ein. Der Schaden sah zunächst heftig aus, beschränkte sich glücklicherweise aber weitgehend auf die äußeren Fahrzeugteile. Das Team leistete anschließend großartige Arbeit und brachte den Wagen in kürzester Zeit wieder an den Start.
Und Luis? Der überraschte selbst den Arzt im Medical Center mit seiner Ruhe nach dem Einschlag.
Zwei Rennen, zwei Start-Ziel-Siege
Von dem Zwischenfall war auf der Strecke anschließend nichts mehr zu merken.
Rennen 1: Start-Ziel-Sieg – knapp acht Sekunden Vorsprung.
Rennen 2: Start-Ziel-Sieg – zwölf Sekunden Vorsprung.
Ein nahezu perfekter erster Renntag.
Sonntagmorgen: Plötzlich stimmt etwas nicht
Im zweiten Qualifying am Sonntag dann ein völlig anderes Bild.
Luis war zunächst Letzter. Dann P8, schließlich P4. Die Rundenzeiten lagen deutlich über denen des Vortages. Kurven, die er zuvor problemlos gefahren war, funktionierten plötzlich nicht mehr. Die Schikane konnte er nicht mehr mit Vollgas nehmen, andere Kurven nur noch einen Gang niedriger.
Dabei fuhr sein Teamkollege Joe Ostholthoff mit vergleichbarer Abstimmung auf Pole.
Auch außerhalb des Teams fiel sofort auf, dass etwas nicht stimmen konnte. Der Vater eines Konkurrenten brachte es auf den Punkt:
„Es ist offensichtlich, dass mit Luis' Auto etwas nicht stimmt.“
Das Team überprüfte Spur und Fahrzeug – zunächst ohne Ergebnis.
Luis startete Rennen 3 trotzdem von P4 und kämpfte sich mit dem weiterhin problematischen Auto bis ins Ziel. In der Rookie-Wertung bedeutete das Platz 2 auf dem Podium.
„We will find it!“
Danach begann die Suche erneut.
Chefmechaniker Jack war sich sicher:
„We will find it!“
Als das Auto aus dem Parc fermé zurückkam, arbeiteten zeitweise sieben Mechaniker gleichzeitig daran.
Und schließlich fanden sie den Fehler: Eine Halterung des Stabilisators war gebrochen. Ein Defekt, der das Fahrverhalten massiv beeinträchtigte und erklärte, warum Luis am Vormittag plötzlich nicht mehr annähernd so fahren konnte wie gewohnt.
Umso bemerkenswerter war im Nachhinein, was er mit diesem Auto im Qualifying und im dritten Rennen überhaupt noch möglich gemacht hatte.
Das Team arbeitete unter enormem Zeitdruck – und bekam den Wagen buchstäblich auf den Punkt für das letzte Rennen fertig.
Rennen 4: Vertrauen zurück – und dann Angriff
Luis startete als Dritter des Gesamtfeldes. In der Einführungsrunde konnte er noch nicht sicher beurteilen, ob das Problem tatsächlich behoben war. Entsprechend vorsichtig ging er in die erste Kurve und verlor zunächst eine Position.
Dann merkte er: Das Auto funktioniert wieder.
Das Vertrauen kam zurück – und damit auch das Tempo.
Luis überholte zunächst Walker aus der GTA-Klasse. Sein Teamkollege Joe Ostholthoff hielt anschließend sein zuvor gegebenes Versprechen und ließ Luis passieren, da beide in unterschiedlichen Wertungen unterwegs waren.
Vor ihm lag nun Rookie-Konkurrent Ian Beaumont, der bereits einen deutlichen Vorsprung herausgefahren hatte.
Luis schloss die Lücke innerhalb kurzer Zeit und setzte ihn zunehmend unter Druck. Einmal wurde Luis dabei bis ins Gras gedrängt, blieb aber ruhig und machte weiter. Schließlich hielt Beaumont dem Druck nicht mehr stand und kam von der Strecke ab.
Der Weg war frei.
Und dann folgte eine schnellste Runde nach der anderen.
Sieg – und neuer Streckenrekord in Croft.
Die Streckensprecher hatten dafür ihre ganz eigene Bezeichnung:
„Man of the moment.“
Halbzeitbilanz: Sieben Siege und drei Streckenrekorde
Nach Croft fällt die Bilanz zur Saisonhalbzeit beeindruckend aus:
7 Siege · 1× Platz 2 · 1 Ausfall
Und noch eine außergewöhnliche Serie:
Luis hält nun auf allen drei bisher gefahrenen Rennstrecken – Silverstone, Oulton Park und Croft – den jeweiligen Streckenrekord.
Dass seine Leistungen inzwischen auch außerhalb des Teams wahrgenommen werden, zeigt sich zunehmend im Fahrerlager. Zuschauer sprechen uns auf Luis an, und nach dem ersten Qualifying in Croft fiel sogar der Vergleich:
„He's like Michael Schumacher.“
Coach Stu widersprach allerdings.
Für ihn erinnert Luis an einen anderen Formel-1-Weltmeister:
„No. He's like Alain Prost. The Professor.“
Ein ziemlich schönes Kompliment für einen jungen Fahrer, der nicht nur schnell fährt, sondern zunehmend auch durch Ruhe, Rennintelligenz und Konstanz auffällt.
Und vielleicht beschreibt genau das dieses turbulente Wochenende in Croft am besten.











































































































